Google, Browser-Interfaces und das UX-Problem

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Normale Internetnutzer gehen einfach ins Internet und machen sich keine Gedanken darüber wie die Software heißt, mit der sie da „surfen“. Google, Internet, Browser – das alles verschwimmt für sie zu einer nicht-unterscheidbaren Sache. Es ist alles dasselbe. Doch was bedeutet das für uns Webworker und Supporter?

Ein ganz offensichtlicher Unterschied zwischen Powerusern und normalen Internetnutzern ist das Verwenden eines aktuellen Betriebssystems und Browsers. Für Webworker eine Selbstverständlichkeit. Aber auch problematisch, wenn wir annehmen, dass alle so ticken. Viele Nutzer benutzen nämlich nicht immer das aktuelle Betriebssystem und hängen daher auf alten Versionen fest:

Windows XP kann maximal mit dem Internet Explorer 8 betrieben werden. Der IE9 benötigt mindestens Windows Vista. Der IE10 hat dann bereits Windows 7 als Mindestanforderung. (Quelle) Wer auf alten Betriebssystem festhängt ist damit von neuen Browserversionen abgeschnitten.

Beim Browser Safari von Apple ist es ähnlich. Die aktuellste Version 6 gibt es nur für Mac OS X 10.7 und 10.8, aber nicht mehr für 10.6 (Snow Leopard) und auch nicht mehr für Windows. Leopard-Nutzer (Mac OS X 10.5) haben noch mehr Probleme, sie können auch nicht zu Firefox wechseln, da dieser auch nur bis Version 16 unterstützt wird.

Aber gehen wir weiter zum nächsten Problem. Schauen wir uns die Oberfläche vom Firefox an:
UI-Design-Browser

Wer würde hier annehmen, dass die Haupteingabe-Schnittstelle der grün markierte Bereich ist? Man muss kein Interface-Designer sein, um zu erkennen, dass die rot markierte Fläche eindeutig dominiert.

Eine Kundin schrieb mir mal eine E-Mail, in der Sie bemängelte, dass ihre Webseite erst so spät kommt, wenn sie die Adresse in den Browser eingibt. Sofort nahm ich an, es handelt sich um ein Performance-Problem und suchte nach dem Flaschenhals. Bis ich bemerkte, was sie eigentlich meinte. Sie hat die Adresse nicht in die Adresszeile eingegeben, sondern in das Google-Suchfeld. Und mit „spät kommen“ meinte sie nicht die Geschwindigkeit, sondern das ihre Seite nicht auf der ersten Seite der Suchergebnisse angezeigt wurde, sondern auf einer der folgenden Seiten …

Doch warum ist das so?

Suchmaschinen sind für den normalen Nutzer (der nicht einen Feedreader voll mit Fachblogs als Informationsmedium nutzt) unsere modernen Gatekeeper geworden. Google möchte genau diesen Effekt haben, dass es als „Tor zur Welt“ wahrgenommen wird. Wenn wir in Firefox oder Chrome einen Suchbegriff (und keine Internetadresse) in die Adresszeile tippen wird automatisch Google als Suchmaschine genutzt. Google zahlt Mozilla viel Geld dafür, dass Firefox im Auslieferungszustand Google als Standardsuche nutzt.

Kaum verwunderlich also, dass Internet, Browser und Google zu einem einzigen Ding verschmelzen, wie dieses Video anschaulich zeigt:

Fazit ist daher, wie so häufig, dass Aufklärungsarbeit notwendig ist. Immer wieder müssen wir erklären, was ist das Internet eigentlich alles, was ist ein Browser und was macht die Suchmaschine. Bei der aktuellen Verteilung der Suchmaschinen-Nutzung schadet es auch nicht, mal die Konkurrenten anzuschauen. Bing ist durchaus konkurrenzfähig, was die Treffer angeht. Und für eine SiteSearch muss nicht immer Google genutzt werden, auch dafür gibt es Aternativen, wie Swiftype.

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